Steckt Deutschland am Anfang einer länger anhaltenden Systemkrise? Die Wirtschaftsleistung vieler mittelständischer Betriebe kühlt derzeit stark ab. Die Weltkonjunktur strauchelt, politische Spannungen bilden sich heraus und andere Länder wie China befinden sich bereits in der Zukunft. Doch wie sieht unsere Zukunft aus? Welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus? Fest steht, dass der neue Rohstoff die Daten sind. Konzerne die Daten kontrollieren, kontrollieren auch die Macht. Aus der Geschichte lernen wir ganz klar, dass “Divide et impera” – Teile und herrsche, in wenigen Händen zum Problem werden kann. Doch gerade Deutschland hat gute Voraussetzungen, die Digitalisierung in eine sozialverträgliche und ökologische Bahn zu lenken. Sogar die Bundesregierung schaltet sich ein. Im Frühjahr 2020 soll eine interessante Cloud-Initiative mit der Bezeichnung Gaia X starten.

Daten sind der Treibstoff für die Digitalisierung

Vor allem klein- bis mittelständische Unternehmen tun sich bei der stetig steigenden Datenflut besonders schwer Daten effizient genug auszuwerten, um fundierte und nachvollziehbare Geschäftsentscheidungen besser treffen zu können. Insbesondere durch Schwächen im Datenmanagement ergeben sich für viele Betriebe immer größere Gewinneinbußen. Daher benötigen mittelständische Unternehmen immer mehr IT-Unterstützung. Teils teure oder veraltete Systeme bremsen ebenfalls die Digitalisierung aus. Die Innovationskraft einer Nation hängt davon ab. Nur gut 8% aller deutschen Unternehmen führen derzeit Big-Data-Analysen durch. Fast 46 % haben sich mit der Thematik noch gar nicht beschäftigt. Häufig fehlten das interne Knowhow und IT-Fachkräfte. [1]

“Unternehmen die ihr Datenmanagement im Griff haben können bis zu 30% mehr Umsatz bei 20% weniger Kosten erreichen.” – Think-With-Google

Und wie nun, können Unternehmen datenbasiert agieren, wenn sich die Daten in zu vielen unterschiedlichen Silos befinden? Im Schnitt verlieren Mitarbeiter bei der Suche nach Daten zwei Stunden am Tag. Die Effizienz sinkt dabei um 18%. Mitarbeiter verschwenden damit 3 Monate pro Jahr. [2]

Projekt Gaia X – Europäische Datenplattform auf Basis des Industrial Data Space

„Durch die Vernetzung von Daten, unterschiedlicher Geräte, Menschen und Maschinen können extrem wertvolle Erkenntnisse für die Industrie, Umwelt, Mobilität, Energie und Gesundheit gewonnen werden. Doch vor allem der Mittelstand in Deutschland, hat das Wesen der Daten und dessen Bedeutung noch nicht ausreichend verstanden.“ – so Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Generaldebatte vom 27.11.2019.

Die aus Datenanalysen gewonnenen Erkenntnisse werden auch als Smart-Data bezeichnet. Ein wesentlicher Bestandteil ist auch die Künstliche Intelligenz. Die Bundesregierung plant dazu im Frühjahr 2020 auf Basis der Fraunhofer Technologie IDS [3], das europäische Cloud-Projekt GaiaX zu starten und Ende 2020 in den aktiven Betrieb zu nehmen. [4]

GaiaX ist eine großartige Möglichkeit die Bevölkerung für die Themen, Künstliche Intelligenz und Smart Data zu sensibilisieren.

Klingt etwas seltsam wenn man daran denkt, dass die Politik plant eine Plattform zu bauen und Unternehmen aus der Wirtschaft dazu einlädt teilzuhaben. Aber ich finde es gut das jemand den ersten Schritt wagt und tätig wird. Zwar fehle der Cloud noch die technische Basis. Dies geht aus einem aktuellen Beitrag vom Deutschlandfunk hervor. [5]  Aber keine Sorge, es wurde in der Rede der Bundeskanzlerin angedeutet, dass sich das Ganze im Open-Source-Umfeld und als Open-Data bewegen solle. Meiner Meinung nach der völlig richtige Weg. Denn Wissen und Technologie sollten stets als Allgemeingut für die Gesellschaft dienen.

Hintergrund zum Verfasser des Artikels:

David Patrick Chang ist Gründer der ABIS Analytics Cloud – Eine Plattform die Daten, Prozesse, Mitarbeiter und Künstliche Intelligenz miteinander verknüpft. Er und sein Team haben bereits im Mai 2014 damit begonnen an der Vision zu arbeiten. Im Herbst 2018 wurde die erste Version der Datenplattform ABIS, aus eigenen Mitteln erfolgreich fertigstellt und in den Testbetrieb genommen. Aktuell arbeitet das Team an der Beta-Version, mit Universitäten und Unternehmen aus der Region zusammen. Der offizielle Launch der Plattform ist für Sommer 2020 geplant.